Ist wirklich schon wieder so viel Zeit vergangen???

Ulrike Von Schweinitz • 7. Januar 2026
Endlich- meine Website ist repariert und ich kann wieder mit ihr arbeiten. Es fällt mir so schwer die Hotline anzurufen, weil ich nicht über das passende Vokabular verfüge. Ich muss gefühlt mit Händen und Füßen reden, um dem Menschen auf der anderen Seite der Leitung zu erklären, was ich benötige. Aber es ist geschafft und ich lerne wieder, mit den Funktionen umzugehen. 
Beim durchschauen fiel mein Blick auf meinen Blog und ich begann zu lesen, was ich vor fast 2 Jahren geschrieben habe. Ich war berührt, weil meine Worte mich auf meine Ressource, das Schreiben, aufmerksam machten. Ja, schreiben, das will ich jetzt. 
Ein turbulentes und herausforderndes Jahr ist vergangen und das Neue brachte schon reichlich Material zum Üben von Ruhe, Geduld und Vertrauen mit sich. Aber mal ganz ehrlich, geht es gerade nicht fast allen Menschen auf der Welt so? Überall, wo ich hinhöre, gibt es kniffelige Situationen zu meistern. 

Unser Sohn hatte am Montag, nach fast zwei Jahren, wieder einen epileptischen Anfall. Es macht mich traurig und ich bin betroffen, weil er sich gerade vorgenommen hatte, wieder mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu fahren. Ein großer Schritt in die Selbstständigkeit. Nun muss das erstmal wieder warten. 
Ich stehe nach solchen Ereignissen oft neben mir und muss mich wiederfinden. Als ich meinen Blog las, hatte ich die Botschaft verstanden. Jetzt sitze ich hier, während es draußen schneit und die Welt wie gepudert aussieht bei einer lieblich duftenden Tasse Tee und Kerzenschein an meinem Computer und finde Ruhe. Es ist, als legten sich beschützende Arme um mich und ich kann meine Kraft, Zuversicht und mein Vertrauen und Lächeln  wieder spüren. Das tut ungemein gut. Danke liebes Universum. 

Ich lasse die vergangen zwei Jahre Revue passieren und stelle fest: Wow, da ist wirklich so viel passiert und wir haben alle brenzligen Situationen in und mit Liebe meistern können. 
Vor etwa drei Jahren nahmen wir eine wunderbare junge Frau mit ihren beiden Söhnen bei uns auf. Eigentlich war der Einzug der kompletten Familie nach unserem Dachausbau geplant, aber es kam alles anders. Als sich die Frau von ihrem Mann trennte, kam es zu psychischer häuslicher Gewalt und wir wollten schnell handeln. Kurzentschlossen machten wir aus unserer großen Wohnung zwei abgeschlossene kleinere Wohneinheiten. Wir zogen nach vorn in unsere Tinywohnung (35qm), die Familie in den hinteren Teil. 
Wir waren sehr gespannt, ob unser inklusives Mehrgenerationsprojekt auch unter diesen schwierigen Bedingungen funktionieren würde. Ja und was soll ich sagen. Es hat sogar so gut geklappt, dass wir am Montag die Frau adoptieren werden. Wir möchten ihr mit diesem Schritt Sicherheit geben. Etwas, dass sie in ihrem bisherigen Leben nicht erfahren durfte. Wir freuen uns sehr darauf, sie nun auch offiziell in unsere Familie aufzunehmen. 

Unser Vorgehen war für einige Menschen in unserem Umfeld schwer nachvollziehbar. Ich glaube, es wäre ihnen leichter gefallen, wenn wir eine Flüchtlingsfamilie zu uns genommen hätten. Aber als wir in Not waren und keine Bleibe mehr hatten, war es für unsere Freunde selbstverständlich, ihre Hilfe anzubieten. Wir durften ein halbes Jahr bei ihnen wohnen. Diese wertvolle Erfahrung wollten und wollen wir gerne weitergeben. 

Mit dem Einzug der drei herrlichen Wesen zog Leben ins Haus ein. Ruhe wird man hier nur noch selten finden. Dafür hört man bei uns viel Getobe, Geschrei und herrliches Kinderlachen. Hast du schonmal die Hand eines Kindes in der deinen gespürt? Diese kleinen Finger, die sich vertrauensvoll, weich und warm in dich schmiegen? Mir geht in solchen Momenten das Herz auf, ich bin ganz verzückt und genieße es in vollen Zügen. Und dann diese Freude über die herrlichen Redewendungen, die aus Kindermunde entspringen. Es vergeht nicht ein Tag, an dem wir nicht aus vollem Herzen  gelacht haben. Ganz ehrlich, gibt es ein größeres Geschenk?

Natürlich gibt und gab es auch weniger helle Tage. Tage, an denen die beiden beeinträchtigten Kinder mit hohem Fieber die Mutter in Atem halten und Atemaussetzer beobachtet werden müssen. Tage, an denen Diagnosen ausgesprochen werden, die schon lang im Raum standen, nun aber offiziell werden. Diagnosen, die bedeuten, dass andere als übliche Wege gegangen werden müssen. Dabei die Hoffnung und den Glauben an die wunderbaren Geschöpfe nicht verlieren und um Segen für sie bitten. Es sind auch die Tage, an dem die Mutter nicht mehr kann, weil sie keinen Schlaf finden konnte und ihre eigene Gesundheit angeschlagen ist. Ist es nicht ein Geschenk, füreinander da sein zu können und sich gegenseitig zu unterstützen? Zu wissen, ich bin nicht allein, auch wenn ich mich manchmal so einsam fühle.

In den drei Jahren haben sich die beiden Jungen prächtig entwickelt und auch die Mutter konnte von ihrer enormen Kraft zurückgewinnen. Der autistische Sohn besucht nun die Grundschule ohne die Hilfe einer Integrationskraft und kommt wirklich gut zurecht. Es ist so schön zu sehen, wie wohl er sich fühlt und Freunde in der Nähe findet. Wir danken jeden Tag dafür.

Der kleinere Bruder hat im letzten Jahr angefangen zu sprechen. Bei seinem Gendefekt ein wahres Wunder. Auf die Magensonde kann er mittlerweile verzichten und die nächtliche Überwachung des Atems ist nur noch in seltenen Fällen nötig. Dank ihrer fürsorglichen und ambitionierten Mutter können sie sich voller Vertrauen zu eigenständigen und selbstbewussten Wesen entwickeln. 

Und bei uns? Der Dachausbau hat uns enorm gefordert und an unsere Grenzen gebracht. Unsere Beziehung war arg strapaziert, aber auch diesmal haben wir es geschafft. Es ist noch nicht alles fertig, aber wir fühlen uns schon sehr wohl. Das Schönste dabei ist, wieder in der Nähe des Fußbodens schlafen zu können. Besonders nachts ist es weniger angenehm mit  Hilfe einer Haushaltsleiter aus dem Hubbett zu krabbeln, um auf Toilette gehen zu können. 

Im Sommer haben wir beschlossen erstmal mit dem Ausbau zu stoppen und stattdessen wieder Kraft und Energie zu tanken. Als Dreißigjährige waren unsere Batterien schneller wieder aufgeladen als heute, aber das ist auch in Ordnung so. Allerdings steht für mich außer Frage, dass dies der letzte Um- und Ausbau für mich war. Derlei Erfahrung habe ich jetzt genug gemacht. Das brauche ich kein weiteres Mal.

Im letzten Jahr kam unser 3. Enkelkind auf die Welt. So ein goldiger kleiner Engel. Sie verzaubert die Herzen aller Menschen und ich bin schon schwer verliebt in die Kleine. Oma zu sein, ist großartig. Ich kann die Zeit mit meinen Dreien viel bewusster genießen ohne die Verantwortung tragen müssen. Ich kann sie spüren, ohne an wichtige Termine denken zu müssen, die ich für die Kleinen vereinbaren muss.

In der turbulenten Zeit konnte ich eine liebe, offene und herzliche Therapeutin finden, die mich auch spirituell erneut durch die Täler meiner Vergangenheit führt. Ich lerne mich noch mal ganz anders kennen und entwickele immer größeres Verständnis für mein inneres Kind. Ich kann das Kind fühlen, dass einsam war und dem gesagt wurde, dass es nicht richtig ist und die Schuld trägt. Ein Prozess, der mich verändert und heilt. Auch wenn es mir am Anfang schwergefallen ist, lerne ich erneut zu vertrauen. Danke!

Ich glaube, das Vertrauen für die nächsten Schritte nötig sein wird. Ich weiß noch nicht, wohin mich der Weg führen wird, bin mir aber sicher, dass es der richtige ist. 

Ich danke dir für deine Zeit, die mir gerade geschenkt hast, weil du meine Worte gelesen hast und sage bis bald….